Alpendampf Heimat Part 2 - im Gespäch mit dem Fotograf Georg Grainer

 

Geor Grainer bei der Arbeit

Hallo Georg, schön dass du für dieses Gespräch Zeit hast. Wir kennen deine unglaublich schönen Bilder aus dem Schaufenster im Markt Berchtesgaden, wenn wir mal wieder nach Feierabend dampfend durch unsere schöne Innenstadt streifen. Vielleicht möchtest du kurz die Gelegenheit ergreifen und dich vorstellen? Hallo Thomas. Vielen Dank für die Einladung zu diesem Gespräch! Als gebürtiger Berchtesgadener wollte ich natürlich ganz gern mal eine Zeit lang weg, und war so spannende zwei Jahre zur Ausbildung auf der Lette-Fotoschule in Berlin. 1993 habe ich mich dann mit eigenem Studio selbständig gemacht und arbeite seither in den Bereichen Food-, Werbe- und Hotelfotografie. Ende der 90er war ich mal zwei Jahre in Madrid und konnte auch dort Werbung fotografieren. Mit der Fotogalerie in der Maximilianstraße habe ich mir letztes Jahr einen Traum erfüllt, denn Natur- und Landschaftsfotografie ist mir eine absolute Herzensangelegenheit. Ich kann dort Bearbeitung, Druck, Passepartout und Rahmung an einem Ort machen, und dann meine Bilder noch schön präsentieren.

Georg Grainer, Photograph

Noch mal kurz zu deiner Person. Du bist hier in Berchtesgaden aufgewachsen, wie war deine Kindheit und wie bist du zu deinem Beruf gekommen? Da meine Eltern ein Fotogeschäft im Markt hatten, war meine Kindheit natürlich geprägt von Fotoapparaten, Filtern und Filmen, mit denen ich meine ersten Experimente machen durfte. Und mit einem Hoffotografen als Großvater war die berufliche Entscheidung fast schon vorherbestimmt - zumal sogar meine Großmutter das Handwerk auf der selben Fotoschule in Berlin gelernt hat, die auch ich später besucht habe.

 

Deine Motivauswahl als Fotograf sind hier in den Berchtesgadener Alpen die heimischen Berge, wie ist es zu dieser Passion gekommen? Als Jugendlicher bin ich ja ehrlichgesagt lieber in’s Kuckucksnest gegangen, als auf den Berg. Erst später habe ich erkannt, welche wunderbaren Schätze da direkt vor meiner Haustüre liegen. Mir ist aufgefallen, dass hier meistens nur die auch als bunte Postkarte geeignete liebliche Seite der Bergwelt gezeigt wird. Auf der Fotoschule haben mich natürlich die großartigen Aufnahmen von Ansel Adams beeindruckt, und so habe ich begonnen, mit Großbildkamera und Holzstativ auf 13x18 Planfilm zu fotografieren - eine furchtbare Schlepperei, die heute viel einfacher geworden ist. Mich interessiert der klare und ehrliche Blick auf die Berge: sie können an manchen Tagen beeindruckende Weitblicke zulassen, und an anderen Tagen bedrohlich, wolkenverhangen und abweisend sein. Ich finde beide Facetten schön.

 

Wenn du mit deiner Ausrüstung in die Berge ziehst, wie viel Gepäck nimmst du dann mit? So wenig wie möglich! Mit 54 tragen sich die ca. 10Kg Kamera, Objektive und Stativ nicht mehr ganz so locker auf den Berg, und so versuche ich natürlich alles so leicht wie möglich zu gestalten. Für den sicheren Transport der Kamera habe ich mir ein gepolstertes Chassis aus einem einfachen Abfallbehälter gebaut. Ein Einbein-Carbon-Stativ, zur Aufnahme mit den Gehstecken verbunden und ausgesteift, ist eine elegante Lösung für Stabilität. Das klingt ein bisschen improvisiert, hat sich aber bisher als sehr effizient erwiesen! Leider bin ich kein guter Skifahrer, und so bin ich zu Fototouren aufgrund des schweren Rucksacks im Winter mit Schneeschuhen unterwegs.

Kamera: alpha

 Deine Kamera scheint sehr speziell zu sein - könnte auch ein Laie sie bedienen?Naja, ich würde sagen, dass alle, die eine Kamera manuell bedienen können, auch mit einer Alpa zurechtkommen. Vielleicht muss sich die eine oder der andere an die Ausschnittsuche per Mattscheibe gewöhnen, da das Bild dabei ja auf dem Kopf steht. Jedenfalls fotografiert es sich viel entschleunigter und bewusster, da es doch eine kleine Weile dauert, bis die Kamera zusammengebaut und aufnahmebereit ist. Automatik, Belichtungsmesser und Autofokus gibt’s jedenfalls nicht, und so bleibt der Kopf frei für die wesentlichen Dinge wie Licht, Motiv und Bildaufbau.

 

Welche Aufnahmen haben dich in deinem Beruf als Fotograf besonders bewegt? Bist du auch im Ausland um dort Berge und Landschaften zu fotografieren? Am meisten bewegt mich meine nächste Aufnahme – weil ich sie noch nicht kenne und sie mich daher sehr beschäftigt: welcher Berg, welche Perspektive, welche Tageszeit...

Als Hotelfotograf habe ich in den letzten 15 Jahren viele Hotels in halb Europa fotografiert, aber mittlerweile möchte ich so wenig Lebenszeit wie möglich im Auto oder Flugzeug verbringen. Was die Landschaftsfotografie angeht, bezeichne ich mich als „endemischen“ Fotografen, bin also nur in den Berchtesgadener Bergen unterwegs, denn hier gehen die Motive ja nicht so schnell aus. Mal abgesehen davon, dass es bei uns eine unglaublich vielfältige Natur und wirklich atemberaubende Landschaften gibt, spielt für mich der Nachhaltigkeitsgedanke eine wichtige Rolle, und so möchte ich mich so wenig wie möglich motorisiert fortbewegen – vom E-Bike mal abgesehen.

ganz konzentriert

Deine Schwarz-Weiß Fotografien vermitteln eine natürliche Einfachheit. Ist Schwarz-Weiß dein Favorit? Ja, das stimmt. Ich würde sogar sagen, dass Schwarzweiß mehr kreative Möglichkeiten bietet als die Farbfotografie. Zwar fehlt die gewohnte Sehweise, aber der Gewinn an Klarheit, Struktur, Abstraktion und künstlerischem Spielraum überwiegen. Ich will ja keinen Realismus schaffen, sondern ein Gefühl vermitteln, das ich da oben am Berg erlebt habe. Oft geht das am besten in Schwarzweiß, aber manchmal eben auch in Farbe. Ich stelle mir bei jedem Motiv die Frage: bereichert die Farbinformation das Foto und unterstützt sie die Bildwirkung, oder lenkt sie vom Wesentlichen ab? Das klingt ganz simpel, ist aber sehr hilfreich bei der Entscheidung.

Fotogalerie Georg Grainer

 

Heute wird ja auch in Sachen Photographie viel mit Photoshop und Lightroom nachbearbeitet, einige Fotografen haben das auch zu ihrem Geschäftsmodell gemacht und verkaufen ihre sogenannten Presets im Worldwideweb. Verwendest du auch professionelle Software um deine Bilder zu bearbeiten? Die Software, die ich verwende ist Capture One und Photoshop. Erstere zum Entwickeln des Rohformats und Letztere zur Weiterverarbeitung, Ausbessern von Staubflecken und die Konvertierung in Schwarzweiß. Meine Arbeitsprozesse ähneln letztlich sehr den Techniken, die ich auch bereits früher beim Filmentwickeln und Vergrößern in der Dunkelkammer angewendet habe. Gelegentlich wird mir die Frage gestellt, ob ein Foto „bearbeitet“ sei. Das finde ich immer etwas befremdlich, da jedes Foto, egal ob analog oder digital, bearbeitet ist: es steckt immer Arbeit drin! Bei der Entwicklung eines Fotos ziehe ich es vor, bei jedem Arbeitsschritt selbst zu entscheiden wie das Endergebnis aussehen soll. Da braucht’s keine „Presets“.

 

Wir wünschen dir noch viele sonnige Herbsttage und freuen uns schon bald mehr auf Bilder von dir aus unserer schönen Alpendampf Heimat zu sehen. Vielleicht treffen wir uns ja auch auf dem einen oder anderen Berg wieder! Ja, Vielen Dank - auch wenn ich Nichtraucher bin. Und schaut’s gerne in der Galerie vorbei, wenn ihr im Markt seid, denn es kommen ja auch immer wieder neue Aufnahmen unserer tollen Berge dazu.

Tags: Photographie

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